Mehrheit der Deutschen würde private Daten verkaufen oder spenden

Nutzerdaten sind im Internet ein großes Geschäft. Digitalkonzerne wie Google oder Facebook verdienen mit datenbasierter Werbung Milliarden. Die meisten Nutzer geben den Konzernen freiwillig ihre Daten, weil sie dafür im Gegenzug kostenlose Dienste wie Kommunikation, Internetsuche, E-Mail oder Maps erhalten. Untersuchungen aus den USA von Erik Brynjolfsson zeigen, dass die Menschen die erhaltenen Dienste weit höher bewerten als die preisgegebenen Daten. Manche Nutzer sind sich aber auch gar nicht darüber bewusst, dass Daten über sie gesammelt werden, z.B. auf der Basis von Cookies. Unbeantwortet ist bislang jedoch die Frage, wie viel diese Daten wert sind. Bislang existieren auch kaum brauchbare wissenschaftliche Modelle, um den Wert der Daten mit vertretbarem Aufwand zu messen.

Vor diesem Hintergrund haben wir in einer repräsentativen Studie 3003 Menschen gefragt, ob und inwieweit eine Bereitschaft besteht, eigene Daten aus kommerziellen Gründen zu verkaufen. Dies kann über verschiedene Apps oder Websites erfolgen, die beispielsweise persönliche Daten über Kreditkartenumsätze aufkaufen. Ergebnis: Knapp 50 Prozent der Befragten sind bereit, ihre Daten zu verkaufen, wenn der Preis stimmt. Etwa 15 Prozent würden ihre Daten zu fast jedem Preis verkaufen, während etwa 36 Prozent ihre Daten auf keinen Fall verkaufen möchten.

Die Ergebnisse überraschen, da wir in unserem Projekt „Der Preis des Kostenlosen“ schon vor ein paar Jahren die gleiche Frage gestellt haben. Damals zeigten die Befragten eine deutlich geringere Bereitschaft, die eigenen Daten zu verkaufen. Der Handel und Umgang mit Daten werden also immer mehr zur Normalität, auch wenn das Thema Datenschutz und Privatsphäre der Menschen natürlich weiterhin von sehr hoher Relevanz bleibt.

Von besonderer gesellschaftlicher Bedeutung ist die Abwägung zwischen dem Nutzen von Daten und der Privatsphäre in der Medizin. So sind medizinische Daten einerseits ganz besonders schützenswert, andererseits lassen sich mit diesen Daten auch viel Gutes tun. Wüssten wir beispielsweise, wie sich verschiedene Operationsverfahren und/oder die Gabe von Medikamenten langfristig auf den Gesundheitszustand der Patienten auswirken, könnte die Behandlung bei verschiedenen Krankheitsbildern verbessert werden. Auf diese Weise kann die häufig zu Recht heftig kritisierte Verknüpfung von Daten für die Behandlung von Patientinnen und Patienten auch viele Vorteile haben. Vor diesem Hintergrund haben wir die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gefragt, ob sie bereit wären, ihre Daten – ähnlich wie eine Blut- oder Organspende – anonymisiert und pseudonymisiert zu spenden.

Die Ergebnisse zeigen eine überraschend klare Bereitschaft, die Daten zu spenden. Etwa 41 Prozent würden das auf jeden Fall machen. Etwa ein Drittel erwartet einen finanziellen Ausgleich. Nur etwa 25 Prozent würden ihre Daten auf keinen Fall spenden.

Die Ergebnisse zeigen zum einen die Bereitschaft der Menschen Daten für einen guten Zweck zu spenden oder zu verkaufen. Zum anderen zeigen sie das Potenzial für viele KI-Anwendungen in der Medizin. Ein gutes Beispiel ist der Prototyp der Berliner Charité. Patienten, die einen Schlaganfall erlitten haben, sollen mit Hilfe von Machine-Learning-Modellen individuell behandelt werden. Auf Basis der vorhandenen Symptome findet ein Abgleich mit Datensätzen anderer Patienten statt. So könnte im Einzelfall fundiert entschieden werden, welche Therapie erfolgsversprechend und somit sinnvoll ist. (Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Dr-Data-was-Kuenstliche-Intelligenz-in-der-Medizin-kann-4236103.html). Nach Ansicht des Onkologen Christof von Kalle vom Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg kann die Analyse und Verknüpfung der Daten viele Menschenleben retten.

Alle Beiträge
×

Fast fertig…

Wir senden Ihnen nur eine E-Mail. Bitte klicken Sie auf den Link in der E-Mail-Abonnements zu bestätigen!

okay